Albel fordert “Flüchtlings-Quote für jede Kärntner Gemeinde”

Kärntner Woche:

Albel fordert “Flüchtlings-Quote für jede Kärntner Gemeinde”

“Totalversagen der Politik.” Günther Albel zur aktuellen Flüchtlingssituation (Foto: Steinacher/kk)

Angedachtes Zelt-Lager in Villach sorgt für Aufregung. Bürgermeister Günther Albel erklärt seine Asyl-Strategie. Und ortet bei der Bundesregierung ein “Totalversagen”.

VILLACH (kofi). Rund 250 Flüchtlinge leben derzeit in Villach. 48 weitere hätten es werden sollen: Das Innenministerium beabsichtigte, am Parkplatz der Bundespolizeidirektion sechs Stück Acht-Mann-Zelte zu errichten. Nach heftigen Protesten der Politik wurde dieses Unterfangen abgeblasen – allerdings nur “bis auf Widerruf”, wie es in der entsprechenden E-Mail aus dem Ministerium heißt.
Die WOCHE bat Bürgermeister Günther Albel zum Interview.

WOCHE: Einerseits startet Villachs SPÖ ein Pilot-Integrationsprojekt für Flüchtlinge bei den Freiwilligen Feuerwehren, andererseits protestiert sie gegen 48 weitere Asylwerber. Können Sie mir Ihre Position erklären?
ALBEL: Die Flüchtlinge, die wir in Villach haben, wollen wir optimal integrieren. Wir gehörten vor zwei Jahren zu den Ersten in Österreich, die sich ein Integrationsleitbild gegeben haben. Aber irgendwann ist Stopp und die Grenze dessen erreicht, was unseren Bürgern zumutbar ist.
Mit den 48 weiteren Flüchtlingen wäre in Villach ein Bevölkerungsanteil von knapp 0,5 Prozent erreicht worden. Ist das nicht ein wenig früh, um “Das Boot ist voll” zu rufen?
Es geht nicht darum, ob ein Boot voll ist. Es geht darum, klare Regeln zu definieren. Bisher haben wir in der Flüchtlingsfrage ein europäisches Totalversagen. Die EU hat versagt, Innenministerin Mikl-Leitner hat versagt. Traurig, aber wahr.
Regierungschef Werner Faymann ist Ihr Parteikollege. Hat er auch versagt?
Sie haben recht, ich korrigiere: Das ist kein Alleinverschulden der Innenministerin. Die gesamte Bundesregierung hat versagt. Die nimmt sich nur Zeit für die Kärntendemütigung in der Hypo-Causa, aber bei der Flüchtlingsfrage wird geschlafen. Der Krieg in Syrien tobt doch seit Jahren!
Warum sind 48 weitere Flüchtlinge in Villach ein Problem?
Weil die Menschen Gewissheit brauchen. Wie geht es weiter? Die Flüchtlingsproblematik wird uns noch Jahre beschäftigen. Wir brauchen von der EU abwärts eine Stragegie. Ich fordere eine genaue Quote für jeden Staat, für jedes Bundesland, für jede Gemeinde. Maximale Transparenz.
Wenn es eine solche Quote gäbe, wären weitere Flüchtlinge in Villach für Sie kein Problem mehr?
Wenn es eine Quote gibt, wird sich niemand dieser Form von Gerechtigkeit verschließen können. Derzeit versorgen nicht nur ganze Staaten keine Flüchtlinge, sondern auch zwei Drittel der Kärntner Gemeinden.

10. Juni 2015